Posts tagged Reinhard Döhl

“apfel wurm” (1965) by reinhard döhl

“apfel wurm” (1965) by reinhard döhl

"apfel wurm, pere ubu, feuilleton guillotine" by reinhard döhl
(these are three original postcards from my private collection)

Der wohl bekannteste Text des Autors ist sein Bildgedicht apfel wurm von 1965, das in viele Schulbücher Einzug gehalten hat und auch ins Englische, Französische und Chinesische übersetzt wurde. Es ist ein Text, der in der alten Tradition des Bildgedichts steht. Bildgedichte waren vor allem in der Antike und im Barock beliebt. Der Apfel mit seinem Wurm spielt mit den verschiedensten Bedeutungsebenen: vom einfachen Sprichwort “Da ist der Wurm drin” bis zum mythologischen Urteil des Paris und der Versuchung Evas (was beides bekanntermaßen schreckliche Konsequenzen hatte). Ja selbst erotische Konnotationen dürfen wir dem Apfel und dem ihn heimsuchenden Wurm unterstellen.Dass sich dem Apfel noch ein Blatt (feuilleton guillotine) und eine Birne (Pere Ubu) zugesellen, ist weitgehend unbekannt. In diesem Lesebuch werden die drei als Postkarten herausgegebenen, zueinander gehörenden Figurata zum erstenmal gemeinsam veröffentlicht.Wie der Wurm dem Apfel so ist dem Blatt, das aus dem Wort Feuilleton gebildet wird, das Wort Guillotine inhärent. So wie sich das Wort “Apfel” zum Apfel addiert, so addiert sich das “Feuilleton” (franz. “Blättchen”) zum Blatt, das dort, wo […] normalerweise der Kopf eines Verurteilten liegen würde, durchgeschnitten, “guillotiniert” ist. Was hat nun Guillotine mit Feuilleton zu tun, außer dass 8 der 10 Buchstaben dieselben sind und G auf F folgt, was auch nicht wenig zu diesem Spiel beigetragen haben dürfte. Der Name “Feuilleton” wurde am 22.6.1800 von Geoffroy im “Journal des Debats” eingeführt, die Guillotine wurde ab 1792 in der Französischen Revolution eingesetzt. Dem Feuilleton ist also von Anfang an die Guillotine eingeschrieben, wie dem Apfel der Wurm.Die dritte im Bunde ist die Birne (englisch pear, gesprochen wie französisch père gleich Vater), in der sich Alfred Jarrys literarische Figur Vater Ubu aus seinem Stück Ubu Roi versteckt. In einer Zeichnung Jarrys, die Ubu darstellt, ist auffällig, wie birnenförmig dieser gezeichnet ist. Döhl hat die Entstehung der Birne für dieses Nachwort veranschaulicht. Selbst dem Collège de Pataphysique (11) angehörend und Herausgeber einer kleinen pataphysischen Anthologie (12), stellt er hier einen Zusammenhang zwischen der Birne, dem Vater, hinter dem wir auch Gottvater (Dieu le père) vermuten dürfen, und den ihm innewohnenden “Wurm” her, dem grotesk grauenhaften Ubu.So wie im Apfel der Wurm, im Feuilleton die Guillotine, steckt im Père ein Ubu oder der Teufel. Politik, Gesellschafts- und Religionskritik und das alles verpackt in scheinbar harmloser Gestalt, als Spielerei – auch das ist Pataphysik.
(Bettina Sorge, aus dem Nachwort zu: Reinhard Döhl Lesebuch. Münster: Ardey 2002)

"apfel wurm, pere ubu, feuilleton guillotine" by reinhard döhl

(these are three original postcards from my private collection)

Der wohl bekannteste Text des Autors ist sein Bildgedicht apfel wurm von 1965, das in viele Schulbücher Einzug gehalten hat und auch ins Englische, Französische und Chinesische übersetzt wurde. Es ist ein Text, der in der alten Tradition des Bildgedichts steht. Bildgedichte waren vor allem in der Antike und im Barock beliebt. Der Apfel mit seinem Wurm spielt mit den verschiedensten Bedeutungsebenen: vom einfachen Sprichwort “Da ist der Wurm drin” bis zum mythologischen Urteil des Paris und der Versuchung Evas (was beides bekanntermaßen schreckliche Konsequenzen hatte). Ja selbst erotische Konnotationen dürfen wir dem Apfel und dem ihn heimsuchenden Wurm unterstellen.
Dass sich dem Apfel noch ein Blatt (feuilleton guillotine) und eine Birne (Pere Ubu) zugesellen, ist weitgehend unbekannt. In diesem Lesebuch werden die drei als Postkarten herausgegebenen, zueinander gehörenden Figurata zum erstenmal gemeinsam veröffentlicht.
Wie der Wurm dem Apfel so ist dem Blatt, das aus dem Wort Feuilleton gebildet wird, das Wort Guillotine inhärent. So wie sich das Wort “Apfel” zum Apfel addiert, so addiert sich das “Feuilleton” (franz. “Blättchen”) zum Blatt, das dort, wo […] normalerweise der Kopf eines Verurteilten liegen würde, durchgeschnitten, “guillotiniert” ist. Was hat nun Guillotine mit Feuilleton zu tun, außer dass 8 der 10 Buchstaben dieselben sind und G auf F folgt, was auch nicht wenig zu diesem Spiel beigetragen haben dürfte. Der Name “Feuilleton” wurde am 22.6.1800 von Geoffroy im “Journal des Debats” eingeführt, die Guillotine wurde ab 1792 in der Französischen Revolution eingesetzt. Dem Feuilleton ist also von Anfang an die Guillotine eingeschrieben, wie dem Apfel der Wurm.
Die dritte im Bunde ist die Birne (englisch pear, gesprochen wie französisch père gleich Vater), in der sich Alfred Jarrys literarische Figur Vater Ubu aus seinem Stück Ubu Roi versteckt. In einer Zeichnung Jarrys, die Ubu darstellt, ist auffällig, wie birnenförmig dieser gezeichnet ist. Döhl hat die Entstehung der Birne für dieses Nachwort veranschaulicht. Selbst dem Collège de Pataphysique (11) angehörend und Herausgeber einer kleinen pataphysischen Anthologie (12), stellt er hier einen Zusammenhang zwischen der Birne, dem Vater, hinter dem wir auch Gottvater (Dieu le père) vermuten dürfen, und den ihm innewohnenden “Wurm” her, dem grotesk grauenhaften Ubu.
So wie im Apfel der Wurm, im Feuilleton die Guillotine, steckt im Père ein Ubu oder der Teufel. Politik, Gesellschafts- und Religionskritik und das alles verpackt in scheinbar harmloser Gestalt, als Spielerei – auch das ist Pataphysik.

(Bettina Sorge, aus dem Nachwort zu: Reinhard Döhl Lesebuch. Münster: Ardey 2002)

"punkt strich ausrufezeichen" by reinhard döhl (1966/67)

"punkt strich ausrufezeichen" by reinhard döhl (1966/67)

"zeit & böse" (tapoems and typieces) by reinhard döhl (1964-66)

"zeit & böse" (tapoems and typieces) by reinhard döhl (1964-66)

"zeit & böse" (tapoems and typieces) by reinhard döhl (1964-66)

"zeit & böse" (tapoems and typieces) by reinhard döhl (1964-66)

"pere ubu" (1965 ) by reinhard döhl

"pere ubu" (1965 ) by reinhard döhl